Frischer Wind in den Segeln für mehr Lieferantendiversität

Coupa
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Frischer Wind in den Segeln für mehr Lieferantendiversität

Wer strategisches Sourcing effektiv nutzen will, kommt um das Thema Lieferantendiversität nicht herum. Der Diversitätsgedanke ist in den Unternehmen angekommen. Für 74 % von ihnen ist Diversität mehr als eine Möglichkeit, das eigene Image aufzupolieren und den steigenden Erwartungen der Kunden gerecht zu werden, wie eine Umfrage ergab. Donna Wilczek, Senior Vice President of Product Strategy bei Coupa, hat darüber mit Dr. Elouise Epstein von der Managementberatung Kearney gesprochen. Epstein ist Expertin für die Transformation in der Beschaffung und kennt sich deshalb mit dem Thema Lieferantendiversität und den damit verbundenen Problemen und Vorteilen bestens aus.

Eines stellt Epstein gleich zu Anfang klar: Lieferantendiversität hätte schon „in den letzten 10 Jahren das Top-Thema sein müssen. Es ist wirklich eine Schande, dass dem nicht so war. Aber jetzt steht es endlich auf der Agenda, und wir alle sind gemeinsam berufen oder, wenn man so will, moralisch verpflichtet, aktiv zu werden – sei es in unserem Privatleben, auf Regierungsebene oder bei Unternehmen, die hier wirklich etwas bewirken können.“ Und auch wenn die Forderung nach mehr Diversität vielleicht von den Kunden gekommen sein mag, kann es für Epstein nicht sein, „dass sich nur die Verbraucher für diesen Wandel einsetzen. Er muss von denen kommen, die bei und für die Unternehmen in den betreffenden Branchen arbeiten.“

Aber was heißt das konkret in der Praxis? Warum war Lieferantendiversität bisher für die meisten Unternehmen kein Thema? Wie können Unternehmen diese Chance nutzen? Und worauf müssen sie sich konzentrieren, um langfristig von nachhaltigen Lieferantenbeziehungen zu profitieren?

Diversität zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Harvard Business Review liefert eine leicht verständliche Definition für Bezugsquellen, die als divers gelten: „Als divers werden Unternehmen eingestuft, die zu mindestens 51 % im Eigentum einer Person oder einer Gruppe von Personen stehen, die traditionell unterrepräsentiert oder unterversorgt ist, und von dieser Person oder Personengruppe geleitet wird.“ Das Konzept selbst ist nicht neu. Schon Ende der 1960er Jahre gab es bei General Motors oder IBM erste Programme für Lieferantendiversität.

Doch diese Programme sind in den letzten Jahren ins Stocken geraten. Das liegt Epstein zufolge daran, dass „diese Initiativen nur Lippenbekenntnisse sind – ein paar schöne Worte auf der Website, hinter denen keine konkreten Ziele stehen.“ Und auch was die Diversitätsbemühungen im Allgemeinen angeht, nimmt Epstein kein Blatt vor den Mund und spricht ernüchtert vom großen Versagen.

Drei Faktoren haben dabei eine zentrale Rolle gespielt:

  • Fehlende Transparenz: Business Spend Management-Plattformen und Systeme für die Optimierung der Bestandsverwaltung konnten nicht mit der steigenden Zahl unterschiedlichster Lieferantendaten Schritt halten. Dadurch hatten Unternehmen nur begrenzten Einblick in Bezugsquellen und Lieferanten. 
  • Steigende Kosten: In den letzten 5 bis 10 Jahren lag der Fokus bei vielen Führungskräften vor allem auf Einsparungen und Effizienzgewinnen, was oftmals auf Kosten von Innovationen ging. Und wenn jemand mal stärker auf Diversität setzt, verlaufen diese Bemühungen meist im Sande, sobald diese Person das Unternehmen verlässt.
  • Neue Risiken: Viele Unternehmen haben sich mit Blick auf mögliche Risiken lieber für den vermeintlich sicheren Weg und damit für ihren bewährten Versorgungsrahmen entschieden. Doch immer öfter wird den Unternehmen Wilczek zufolge bewusst, dass der Umsatz, die Gewinne und die Marke unter Umständen stärker darunter leiden, wenn man nicht das Richtige tut.

Neue Möglichkeiten, neue Technologien

Es sind zum einen die aktuellen Ereignisse und zum anderen neue Technologien, die diese Veränderungen angestoßen und die Weichen für ein stärkeres Engagement in Sachen Umweltschutz und Unternehmensverantwortung gestellt haben. „Sie brauchen eine Technologie, die dieses Ziel möglich macht; dann lässt es sich direkt in Ihre Abläufe einbinden“, so Epstein. „Ob umweltfreundliche Optionen oder eine Auswahl an divers aufgestellten Lieferanten – Sie können es einfach einbinden.“ Und mit den richtigen Lösungen im Rücken stellen Unternehmen letzten Endes vielleicht sogar fest, dass die nachhaltigen und divers aufgestellten Optionen kostengünstiger sind.

In der Praxis müssen Technologien vier zentrale Bereiche abdecken, um wesentliche Änderungen anzustoßen:

1. Bessere Informationen

Gute Entscheidungen lassen sich nur auf Grundlage von Informationen treffen. „Ein System gemeinschaftlicher Informationen zeigt uns möglicherweise, dass es günstiger oder wirtschaftlich sinnvoll ist, mit diesem oder jenem divers aufgestellten Lieferanten zusammenzuarbeiten“, erklärt Epstein. „Womöglich lässt sich mit der nachhaltigen oder umweltfreundlichen Option sogar Geld sparen.“

2. Mehr Transparenz

Technologie kann auch Einblick in zentrale Lieferantenmerkmale, Leistungsstufen und Fachgebiete der Lieferanten geben. Diese Informationen machen es leichter, Partner auszuwählen, die zu den eigenen ESG-Zielen und den Erwartungen des jeweiligen Geschäftsbereichs passen.

3. Zuverlässige Abläufe

Für fundierte Entscheidungen brauchen Sie die richtigen Daten zur richtigen Zeit. Diese liefern Tools, die in Echtzeit kontextbezogene Daten zu Lieferantenabläufen bereitstellen. So können sich Unternehmen für die Optionen entscheiden, die am besten mit ihren Nachhaltigkeits- und Diversitätsvorgaben übereinstimmen und auch die Ausgabenziele erfüllen.

4. Integrierte Berichte

Wenn Lieferantendiversität und Nachhaltigkeit nachvollziehbar erfasst und dokumentiert werden, können Sie objektiv nachweisen, welche Maßnahmen Sie bei der Beschaffung getroffen haben. So legen Sie das Fundament für zukünftige Diversitätsentscheidungen. Hier sind Unternehmen oft mit Technologien für das Ausgabenmanagement gut beraten, die entsprechende Berichte in vertraute Workflows einbinden.

Die Strategie und die Ziele unterstützen

Doch Technologie allein reicht nicht aus. Unternehmen brauchen auch einen Handlungsrahmen, an dem sie sich orientieren können, um gezielte Lieferantenstrategien zu entwickeln und bewusste Entscheidungen zu Ausgaben und Sourcing zu treffen.

Dafür müssen Epstein zufolge als Erstes die Entscheidungsträger von morgen geschult werden, damit sie verstehen, dass „mehr dahintersteckt als nur eine Feel-Good-Initiative“. Alles muss regelmäßig getrackt und die Entscheidung für bestimmte Lieferanten immer wieder überprüft werden – nur so lässt sich auch wirklich sicherstellen, dass Best Practices eingehalten und die Diversität berücksichtigt wird. Zudem sind schlanke, agile Prozesse entscheidend. „Am Anfang haben wir alle immer viel vor und sind hoch motiviert“, erklärt Epstein. „Doch dann liegt plötzlich ein 60 Seiten langes rechtliches Dokument vor uns, das bis auf die ganz großen Konzerne wohl fast jeden verzweifeln lässt.“ Deshalb gilt auch: Keep it simple. Und das gerade angesichts des Drucks auf die weltweiten Lieferketten durch die Pandemie. Mehr Diversität kann das Risiko möglicher Störungen und Lieferengpässe reduzieren.

Die Technologie muss aber zielgerichtet eingesetzt werden – nur dann kann sie dazu beitragen, Frameworks für strategisches Sourcing zu entwickeln, die Abläufe zu optimieren und die Beschaffungsprozesse zu verbessern. Kennzahlen spielen beim effektiven Einsatz von Technologie eine zentrale Rolle. Unternehmen brauchen Tools, mit denen sie Nachhaltigkeit und Diversitätsfaktoren bewerten und so die Gesamtrisiken senken können. Technologie allein führt natürlich noch nicht zu Lieferantendiversität, aber sie spielt eine wichtige Rolle mit Blick auf die Nachhaltigkeit.

„Ich merke definitiv, dass sich da bei unseren strategischen Kunden etwas verändert“, berichtet Wilczek. „Diese Kunden wissen, wie wichtig gerade die Faktoren für ihre Sourcing-Optimierung sind, die gar nicht kostenbezogen sind. Und ich sehe mehr und mehr, dass sich diese Kunden jetzt Gedanken machen, wie sie Nachhaltigkeit bewerten können.“ Oft kommen hier BSM-Tools wie Coupa ins Spiel, denn sie sind in der Lage, im richtigen Augenblick und im richtigen Kontext genau die richtigen Daten zu zeigen.

Und zu guter Letzt? Müssen die Silos in den Unternehmen endlich fallen. „Zum Glück gehören Silos zwischen den Verantwortlichen für Nachhaltigkeit und den Technologien, die für Diversitätsprogramme und die Beschaffung verwendet werden, der Vergangenheit an“, so Wilczek. „Statt einfach nur Kosten zu melden, nachdem sie angefallen sind, sprechen diese Teams jetzt miteinander und können so etwas bewegen.“

Gekommen, um zu bleiben

„Ich würde Lieferantendiversität zu meinem ureigenen Thema machen. Wir alle sind moralisch dazu verpflichtet“, so Epstein. Das setzt aber nicht nur einen digitalen Wandel und die passenden Technologietools voraus, sondern auch ein Unternehmen, das erkennt, dass dieses Thema Priorität haben muss, und eine Abkehr von den üblichen Silos, um die Lieferantenkoordinierung zu vereinfachen.

„Die Zeit ist einfach reif“, erklärt Wilczek. „Wir alle sind gefordert, etwas zu verändern, und diesem Thema die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die es verdient. Binden Sie es ein in alles, was Sie tun – dann kommt der Wandel ganz von allein.“